Autor Thema: Gelebte Fordson-Leidenschaft von Kamillo Görler  (Gelesen 2738 mal)

FrechesFrettchen

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Gelebte Fordson-Leidenschaft von Kamillo Görler
« am: November 10, 2014, 08:48:32 Nachmittag »
OTZ vom 09.07.2010 "Schleiz: Kamillo Görler aus Gera liebt alte Traktoren"

In seinen Kindheitserinnerungen schon sitzt der Geraer auf einem Traktor. Onkel Alfred nahm ihn mit, und der kleine Kamillo liebte den Traktor seines Vaters. Seine Fordsons wird er am Wochenende auch zum Treffen historischer Traktoren und Landmaschinen in Schleizer ausstellten.


Kamillo Görler inmitten seiner Fordsons

Schleiz. Heute liebt er Traktoren immer noch bzw. mehr als je zuvor, der mittlerweile 80-jährige Geraer Kamillo Görler besonders natürlich seine sieben eigenen der Marke Fordson.

Dabei ist auch jener erste der Familie, inzwischen 83 Jahre alt. Doch der älteste ist das nicht. Den Rekord hat der Fordson mit den Eisenrädern: Baujahr 1924. Und der einzige mit einer immer noch gültigen Zulassung ist der grüne, den er sich aus England holte. In seiner Werkstatt und der Garage auf dem schönen Anwesen in der "zweiten Etage" der Eiselstraße warten sie alle auf seine Pflege, vor allem aber darauf, mal wieder ans Tageslicht geholt zu werden, zu tuckern und sich bewundern zu lassen. Denn alle haben sie Seltenheitswert, laufen sie doch trotz ihres Alters dank der Hingabe und des Geschicks ihres Besitzers immer noch bzw. endlich wieder.


Fordson Baujahr 1927, Kamillo Görler

Viele Jahre "vermehrten" sie sich bloß, fristeten voller Rost und bewegungsunfähig ein dunkles Dasein. Auch die Halden der Einzelteile um sie herum wuchsen kontinuierlich. Brigitte Görler redet scheinbar vorwurfsvoll über die Jahre, als ihr Mann immer mehr "verrostete alte Karren anschleppte". Man glaubt ihr gern, dass das oft nervte, sieht ihr gleichzeitig aber auch an, dass sie ihrem Kamillo wie einem Kind das Lieblingsspielzeug verzeiht.

Auch Bewunderung spricht aus ihrer Stimme Bewunderung darüber, wie er den Schrott immer wieder zum Laufen brachte.

Über die Jahre ist sie hineingewachsen in diese Leidenschaft ihres Mannes. "Wir fuhren zu Ausstellungen und rannten dort über Stopppelfelder", erzählt sie, "wie andere durch den Sand im Ostseeurlaub".

Der als Fuhrunternehmer arbeitende gelernte Zimmermann beschäftigt sich erst intensiv mit seinen Sammelobjekten, seit er 1995 in Rente ging, Die alten Fordsons sind seit dem zu so etwas wie einem Lebensinhalt für ihn geworden. Inzwischen ist der Geraer unter Freunden historischer Traktoren ein gefragter Mann. Amüsiert denkt er an die Geschichte, als er einen Weimarer nach Bayern begleitete, um ihn beim Kauf solch eines alten Traktors zu beraten.

Zwei aus der Auswahl dort waren schon jemand anderem versprochen. Nach Jahren rief der Verkäufer in Gera an: Der andere, ein Österreicher, hatte seine Traktoren auseinander-, nicht aber wieder zusammenbauen können. Hilfe aus Ostthüringen, von Kamillo Görler war gefragt.

"Kamillo kriegt jeden Fordson wieder hin", weiß Andreas Oertel aus Pahnstangen bei Schleiz vom Lanz-Bulldog-Club im MSC Schleizer Dreieck. Bekannt sei der Geraer vor allem wegen seiner Gründlichkeit und Genauigkeit. "Das Exakte ist meins", sagt er selbst. Nicht die leichten und schnellen Lösungen, wo mancher einfach eine Büchse unter den tropfenden Benzinhahn hängt. Nein, bei Kamillo Görler muss alles bis ins Detail stimmen und hat jedes Teil so zu funktionieren, wie es bei seiner Produktion funktioniert hat.

Damit wird er auch am Wochenende unter Kennern wieder brillieren, wenn er seine Fordsons beim 9. Treffen historischer Traktoren und Landmaschinen im Fahrerlager des Schleizer Dreiecks ausstellt ebenfalls zum neunten Mal. Auch andere Besitzer hat er wieder mobilisiert, so dass 20 bis 25 der guten alten Stücke von Sonnabendmittag bis Sonntag gegen 16 Uhr zu sehen sein werden.

Heute fährt Sohn Hermann mit fünf der Prachtstücke auf einem Sattelauflieger los. Der Eisenrädrige reist per Hänger, den Cousin Manfred mit dem Pkw zieht. Und auf dem grünen wird der 80-jährige Kamillo Görler selbst lostuckern ungefähr zweieinhalb Stunden von Gera-Debschwitz bis Schleiz-Oberböhmsdorf.

Irgendwie verrückt, der Mann! Auf eine imponierende Weise.


Judith Albig / 09.07.10 / OTZ

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